Wandmalerei, Illusion von Wohnungen auf die Fassade gemalt für Wohnungsbau in Prenzlau

Zeitungsbericht vom Nordkurier aus der Uckermark

Von Oliver Spitza

Ein Blick in fremde Wohnungen? Natürlich nicht, das riesige Bild am Giebel Georg-Dreke-Ring 95 ist nur eine Illusion – aber eine schöne.

Prenzlau.In der obersten Etage hantiert eine Frau mit dem Staubsauger, das Wohnzimmer daneben ist aufgeräumt. In der Etage darunter werden gerade Umzugskartons ausgepackt, in der Nachbarwohnung wird gemalert und tapeziert. Noch eine Etage tiefer hat es sich ein Paar auf dem Teppich gemütlich gemacht, nebenan steht ein nackter Mann unter der Dusche. Vor dem Haus sitzt ein Kind mit einem Luftballon im Baum, daneben steht der orange Barkas der Wohnbau GmbH. Ein Blick in fremde Wohnungen? Nein, denn es ist eine Illusion, eine schöne sogar. Es ist Kunst am Bau.
„Das Bild soll eben das Leben unserer Mieter widerspigeln“, sagt Cindy Kersten vom städtischen Wohnungsunternehmen. Der Giebel am Block Georg-Dreke-Ring 95 war schon längere Zeit ein Schandfleck, Graffity-Schmierereien auf den dreckigen Fassadenkacheln störten den Anblick. So nahm die Wohnbau Geld in die Hand und suchte sich mit der Strausberger Firma Appolloart einen kompetenten Partner, um die 190 Quadratmeter große Giebelfassade des Fünfgeschossers neu zu gestalten.
„Wir haben mehrere Entwürfe abgegeben, dieser wurde dann ausgewählt“, sagt Patrick Kleinschmidt. Vor drei Jahren hatte der 38-jährige Strausberger die Firma gegründet, im Drei-Mann-Betrieb ist er für das Marketing und die Auftragsbeschaffung zuständig. Und das Geschäft läuft, denn Wandbilder haben Konjunktur. Zum einen sind sie der beste Schutz gegen Schmierereien, zum anderen wertet es Wohnhäuser und -lagen sichtbar auf.
„Wir haben unser Hobby zum Beruf gemacht“, sagt Kleinschmidt, mit jedem fertigen Bild kann man gewachsene Qualität erkennen. Seine Leute gestalten Zimmerdecken und -wände genauso wie Fassaden, ein 400-Quadratmeter-Bild war bislang der flächenmäßig größte Auftrag. „Wir sind eben Auftragsmaler“, sagt der Unternehmer, „wir setzen die Kundenwünsche um.“ Egal, ob Illusionen, Bilder nach historischen Vorlagen und Fotos, Lieblingsmotive – die Fassadenmaler und Airbrushkünstler von Appolloart haben landesweit ihre Spuren hinterlassen.
Worin lag die besondere Herausforderung in Prenzlau? „Na ja, der Giebel ist Südseite, es wurde also ganz schön warm“, sagt Patrick Kleinschmidt. Zudem stehe man ja immer hoch oben auf dem Baugerüst, 30 Zentimeter von der Giebelfläche entfernt, die es großflächig zu gestalten gilt. „Da sieht man ja nur einen kleinen Ausschnitt, man muss also ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen haben. Und schwindelfrei sein.“
Das Logo der Wohnbau fehlt noch, dann ist die vor 14 Tagen begonnene Arbeit fertig. Schon in dieser Woche soll das Gerüst abgebaut werden, kündigt Patrick Kleinschmidt an, dann ist die Sicht auf das Monumentalbild frei. Und ein dickes Lob gab es für die Künstler bislang von allen Passanten.
Auch die Auftraggeberin ist sehr zufrieden. „Das Stadtbild hat sich verschönert, wir haben Kunst in die Stadt geholt“, freut sich Cindy Kersten. Nun werde noch der Müllplatz am Georg-Dreke-Ring 95 neu gestaltet, dann bietet sich den Bewohnern und Gästen hier ein völlig anderes, schöneres Bild als in den vergangenen Jahren. In der Hoffnung, dass diese Tat gewürdigt und lange erhalten bleibt. „Von unserer Seite aus kann da nichts passieren, die Farben werden zwar im Sonnenlicht etwas ausbleichen, aber wir haben den Untergrund so behandelt, dass das Bild schon 15 Jahre hält“, sagte Kleinschmidt.

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